Dipl.-Psych. Ibrahim Özkan

Dozent der Kölner Therapietage 2010

Ibrahim ÖzkanIbrahim Özkan ist Diplom-Psychologe und psychologischer Psychotherapeut in der Institutsambulanz des Asklepios Fachklinikums Göttingen und arbeitet dort als Leitender Psychologe des Schwerpunktes Kulturen, Migration und psychische Krankheit.
An der Georg-August-Universität Göttingen ist er Mitarbeiter der Soziologischen Fakultät und hat einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät (Zentrum für Schlüsselkompetenzen).
Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Migranten, Migration und Krankheit, Psychotrauma, Flüchtlinge, interkulturelle Öffnung von Institutionen und Psychoonkologie. Hierzu liefert er regelmäßig nationale und internationale Publikationen, Vorträge, Symposien und Workshops.
Therapeutische Schwerpunkte von Ibrahim Özkan sind Traumatherapie, EMDR, DBT und Psychoonkologie. Zu diesen Themen bietet er seit vielen Jahren und in verschiedenen Einrichtungen als Trainer, Dozent, Supervisor und Berater seine Fachkompetenz an. Außerdem ist er Sachverständiger Gutachter zum Thema PTBS bei Migranten.
Neben diesen Tätigkeiten engagiert sich Özkan auch noch in zahlreichen Organisationen, die sich um die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte bemühen. Hier eine Auswahl: Er kooperiert mit dem Ethnomedizinischen Zentrum Hannover (EMZ), ist aktives Mitglied am Institut für Allgemeine und Interkulturelle Didaktik e.V. Göttingen (AIKUD) und der Gesellschaft für türkischsprachige Psychotherapie und psychosoziale Beratung (GTP), Mitbegründer des Dachverbandes der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum (DTPPP), Vorstandsmitglied der Europäischen Integrationsgesellschaft für medizinische Versorgung e.V., Berater und wissenschaftlicher Begleiter des europaweiten Projektes der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ zum Thema „Gegen häusliche Gewalt“.

Letzte Veröffentlichungen:
  • Koptagel-Ilal, Günsel; Özkan, Ibrahim (2008): Wörterbuch Psychiatrie - Psychotherapie. Deutsch-Türkisch/Türkisch-Deutsch = Psikiyatri - Psikoterapi Sözlügü. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
  • Özkan, I. 2009. Ressourcenorientierte Stabilisierung in der traumazentrierten Behandlung von Migranten. In: Solmaz, G. ; STOMPE, T. ; HEISE, T. (Hg.). Jeder ist weltweit ein Fremder. 2. Kongress des DTPPP in Wien 2008. Das transkulturelle Psychoforum Bd. 16. VWB-Verlag. 207 – 215
  • Özkan, I.; Dogan, H.; Tschudin, V.; Hot, I. 2009. Patients’ Transcultural Needs and Carers’ Ethical Responses. In: Gallagher, A.; Tschudin, V.. Nursing Ethics 16/6. SAGE Publications. 683 – 696
  • Özkan, I., 2010. Krebs und Migration: Interkulturelle Sensibilierung für die psychoonkologische Arbeit. In: Diegelmann, C.; Isermann, M. (Hg.). Ressourcenorientierte Psychoonkologie. Psyche und Körper ermutigen. Kohlhammer. 113 – 124


Das war der Beitrag 2010:

V3: Macht Migration krank?
Wie kann man verhindern, dass man als Therapeut bei Patienten anderer ethnischer und kultureller Herkunft „Symptome“ irrtümlich als kulturelle Besonderheit abtut oder kulturgebundene Symptome nicht erkennt? Im Kontext des demographischen Wandels in der Bundesrepublik tauchen solche und ähnliche Fragen auch bei der Behandlung hier geborener Menschen mit Zuwanderungsgeschichte immer häufiger auf.
Berücksichtigt werden sollte auch, dass Migrations- und Akkulturations­stress über die Generationen hinweg weitergegeben werden können, dass sich dabei zugrundeliegende Störungen verändert darstellen können, dass Migration von einem „Traum zum Trauma“ (Salman, 1995) führen kann.
Um als Behandler dem „Fremden“ gegenüber angemessene Reaktionen und Haltungen zu entwickeln, sind eine achtsame Reflexion des Selbst und des Behandlungssettings erforderlich.

31.10.2010, 08:30 - 09:15 Uhr

WS 15: Transkulturelle Sensibilisierung in der Arbeit mit Menschen mit Migrationsgeschichte
Die Versorgung von MigrantInnen oder Menschen mit Migrationserfahrung im Gesundheitsversorgungssystem ist in den letzten Jahren zunehmend auch in den Blickwinkel von transkultureller Versorgungsforschung gerückt. Unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung Deutschlands wird in den nächsten Jahren eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik unumgänglich sein. Nach aktueller klinischer Erfahrung sind Symptomatiken meist kulturübergreifend. Was aber z.B. die jeweiligen Symptome bedeuten und wie man mit ihnen umgeht, das kann durchaus kulturgebunden, wie auch durch Lebensgeschichte oder Persönlichkeit geformt sein. Es hat sich als hilfreich erwiesen, religiöse bzw. kulturelle Vorstellungen und Strategien im Kontext als Möglichkeiten der Bewältigung einer Krise einzubeziehen. In der Arbeit mit MigrantInnen ist für eine besonders sensible Betrachtung zum Beispiel der familiären Situation (Sozialisation), der Affekte und der körperlichen Konstitution Sorge zu tragen. Ebenso gilt es dabei die eigene Kultur zu reflektieren um einen gemeinsamen Begegnungsraum mit dem Fremden zu schaffen.
Es bedarf seitens des Therapeuten manchmal mehr Zeit in der Behandlung und Wissen über Zusammenhänge, Rituale und Traditionen in der Kultur des Patienten. Diese stellen multiple Erwartungen an die behandelnde Institution sowie an die gewählte Behandlungsmethode und ihre Theorie. Eine kultursensitive, interdisziplinäre und achtsame Annäherung und Durchführung ist Bedingung im Umgang mit Erwartungen und Problematiken von Menschen mit einer Migrationsgeschichte. Mögliche Themen des Workshops können somit sein:

  • Interkulturelle Sensibilisierung: Entstehung von Fremdbildern, Umgang mit Fremdheit und Kommunikationsstörungen
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen bzw. mit Migrationshintergrund
  • Kulturbegriff & Dimensionen der verschiedenen Kulturen
  • Kulturelle Differenzen im Kommunikationsverhalten allgemein und in der Praxis
  • Soziale und gesundheitliche Lage von MigrantInnen in Deutschland
  • Umgang mit Raum und Zeit
  • Gesellschaftliche Umgangsformen mit Migranten
  • Nonverbale Kommunikation
  • Maskulinität / Feminität
  • Handlungsansätze zur interkulturellen Öffnung im eigenen Arbeitsbereich.
Durch Übungen, Fallbeispiele (gerne von Seiten der TeilnehmerInnen) und ggf. praxisnahe Rollenspiele wird eine aktive Auseinandersetzung ermöglicht.

Literatur zur Veranstaltung
Hartkamp N (2003) Interkulturalität und Kultur, Kognition und Bewusstsein. Rundbrief der Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie. Psychotherapie und Psychosoziale Gesundheit 1: 9-13
Koptagel-Ilal G (2000) Kreative und destruktive Aspekte der Migration und der Begegnung mit dem Fremden. Curare 23(2):105-109
Özkan I (2004) Praxisansätze und Grenzen der traumazentrierten Arbeit mit ethnischen Minoritäten. In: Sachsse U (Hrsg.) Traumazentrierte Psychotherapie – Theorie, Kliunik und Praxis. Stuttgart, New York: Schattauer. S. 394 – 401

31.10.2010, 09:45 - 13:00 und 15:45 - 19:00 Uhr

WS 15 (b): Transkulturelle Sensibilisierung in der Arbeit mit Menschen mit Migrationsgeschichte (entfällt)

01.11.2010, 09:45 - 13:00 und 15:45 - 19:00 Uhr