Michael Linden

Dozent der Klner Therapietage 2007

Michael LindenMichael Linden hat schon frh in seiner Biografie erkennen lassen, dass ihm die Medizin und die Psychologie gleichermaen am Herzen liegen. Geboren 1948 in Simmern, Rheinland-Pfalz, studierte er in Mainz und Berlin Medizin und Psychologie. In seiner medizinischen Karriere spezialisierte er sich zunchst auf Neurologie und Psychiatrie, spter kam der Facharzttitel Psychotherapeutische Medizin hinzu. Nach seiner Habilitation im Fach Psychiatrie erhielt er 1994 den Ruf an die Freie Universitt Berlin. Heute arbeitet Prof. Dr. Michael Linden dort als Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation am Klinikum Benjamin Franklin der Charit sowie in der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik an der BfA-Klinik Seehof.
Seine psychotherapeutischen und medizinischen Forschungsbereiche sind Anpassungsstrungen und Angsterkrankungen sowie Therapie-, Rehabilitations- und Versorgungsforschung. Im Rahmen der Berliner Altersstudie erzielte er mit seinen Ergebnissen zur medizinischen Unterversorgungstendenz bei depressiven Erkrankungen alter Menschen groe Beachtung. ber 300 Publikationen, 12 Buchverffentlichungen sowie zahlreiche Wissenschaftspreise markieren seine vielfltigen wissenschaftlichen Aktivitten ebenso wie seine Zugehrigkeit zum wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie der Bundesregierung und die Funktion als Sprecher des Referats Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft fr Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Durch seine Ttigkeit als Krankenkassen-Gutachter wird er vielen Teilnehmern bereits mit seiner erklrten Vorliebe fr Klarheit und Struktur in der therapeutischen Behandlung bekannt sein.
In seinen Vortrgen und Seminaren begeistert er immer wieder mit seinem intelligenten, oft hintergrndigen Humor und prziser, scharfsinniger Argumentation.

Das war der Beitrag 2007:

Vortrag V 5: Die posttraumatische Verbitterungsstrung

Erkrankungen aus der Gruppe der Belastungsreaktionen und Anpassungsstrungen (ICD-10, F43) gehren zu den eher unprzise definierten psychischen Strungen, wenn man einmal von der PTSD absieht. Eine hufige und abgrenzbare Unterform der Reaktion auf belastende Lebensereignisse sind protrahierte Verbitterungsaffekte, die in der wissenschaftlichen Forschung bislang jedoch wenig Aufmerksamkeit gefunden haben. Verbitterungsstrungen knnen in der Folge einer groen Zahl unterschiedlicher Lebensereignisse auftreten, wobei wahrscheinlich der gemeinsame Nenner dieser Lebensbelastungen die Verletzung sog. zentraler Grundannahmen (basic beliefs) ist. Diagnostisch knnen sie als Posttraumatische Verbitterungsstrung (Posttraumatic Embitterment Disorder = PTED) zusammengefasst werden. Die PTED ist gekennzeichnet durch Intrusionen, Hyperarousal, Herabgestimmtheit, Vermeidung und als Leitaffekt Verbitterung und Aggression. Diese Strungen erweisen sich als schwer zu behandeln. Differenzialdiagnostisch gibt es klare Abgrenzungen zwischen PTED einerseits und Angststrungen, Depressionen oder Persnlichkeitsstrungen andererseits. Der Leitaffekt der Verbitterung fhrt oft zu einer Ablehnung und Abwertung therapeutischer Hilfsangebote. Eine Behandlung kann nur erfolgreich sein, wenn die posttraumatische Natur der Strung bercksichtigt wird.

Literatur:
Linden, M. et al. (2007). Posttraumatic Embitterment Disorder. Bern: Hogrefe


Workshop WS 13: Weisheitstherapie

Negative Lebensereignisse wie Krankheit, Tod eines lieben Menschen, familire Auseinandersetzungen, finanzielle Verluste, berufliches Scheitern oder soziale Unterlegenheit gehren zu den typischen Lebenserfahrungen eines jeden Menschen. Sie fhren nicht zu psychischer Krankheit, da Menschen gegen solche Erfahrungen widerstandsfhig sind. Eine psychologische Eigenschaft, die hilft, Unabnderliches konstruktiv zu verarbeiten, ist Weisheit. Die Weisheitspsychologie ist eine vergleichsweise neue Forschungsrichtung, die Weisheit definiert als Expertise im Umgang mit uneindeutigen und schwierigen Lebenssituationen. Es gibt empirische Hinweise, dass negative Lebensereignisse, insbesondere wenn sie zu Verbitterungsreaktionen fhren, Weisheitskompetenzen blockieren knnen, was zu einem Teufelskreis und zu Chronifizierung fhrt. Da es aus der Grundlagenforschung Hinweise gab, dass Weisheit, hnlich wie Selbstsicherheit, zu lehren und zu trainieren ist, wurde in den letzten Jahren die Weisheitstherapie entwickelt. Sie ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie mit speziellen weisheitsaktivierenden Strategien, die abzielen auf eine Frderung von Perspektivwechsel, Selbstdistanz, Empathie, Emotionswahrnehmung und Emotionsakzeptanz, emotionale Serenitt und Humor, Fakten- und Problemlsewissen, Kontextualismus, Wertrelativismus, Selbstrelativierung, Ungewissheitstoleranz, Nachhaltigkeit, Problem- und Anspruchsrelativierung.

Literatur:
Linden, M. et al. (2007). Posttraumatic Embitterment Disorder. Bern: Hogrefe


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